Noten – Wozu gibt es sie und was für Probleme kommen mit ihnen?

Gestern hätten wir eigentlich unsere Zeugnisse erhalten müssen; wenn alles glatt geht, kommen diese in den nächsten Tagen per Post bei uns an und es kommt bei einigen Schüler*innen die Frage auf, warum es überhaupt Noten gibt und wieso Zeugnisse ausgegeben werden. Wir wollen euch darüber aufklären und dabei einige Pro- und Contra-Argumente zu Noten unter die Lupe nehmen.

Laut Hamburger Schulgesetz werden Zeugnisse in der Form des Lernentwicklungsberichts, als Punktebewertung oder als Notenzeugnis erteilt. Von der fünften Klasse an erhalten die Schüler*innen des MRG Notenzeugnisse, so wie an den meisten Hamburger Schulen. Dadurch, dass jede*r Schüler*in eine Note bekommt, kann man den Leistungsstand aller Schüler*innen ohne Probleme vergleichen und
z. B. bei einer Bewerbung alle, die sich bewerben, schnell abgleichen. Außerdem motivieren Noten Schüler*innen, wenn sie in einem Fach gut sind, da sie dann eine Belohnung für das Lernen kriegen.

Allerdings erzeugen Noten auch Druck, da sich manche sehr anstrengen, um eine gute Note zu bekommen, wodurch Schüler*innen, die sich schnell unter Druck setzen lassen, schnell die Krise kriegen.

Auch ist es problematisch, dass schlechte Noten Schüler*innen sehr schnell demotivieren können, da sie, wenn sie gelernt haben, aber dennoch keine gute Note kriegen, denken, das ihre Mühen umsonst waren. Auch gibt es Schüler*innen, denen Noten egal sind. Sie interessieren ihre Noten nicht, sodass sie sich keine Mühe geben.

Zudem gibt es noch ein weiteres Problem mit Notenzeugnissen: Sie sind manchmal ungerecht. Winfried Kronig, ein Professor für Heil- und Sonderpädagogik, verweist auf einige Untersuchungen, die zeigten, dass Noten sehr schnell verzerrt werden können und dann an der eigenen Leistung vorbei urteilen. Er meint allerdings auch, dass auch andere Zeugnisformen davon betroffen sein können. Laut Kronig kann es vorkommen, dass die stärksten Schüler*innen einer Klasse in einer anderen Klasse zu den schwächsten gehören würden. Er spricht an, dass es in schlechteren Schulklassen für eine*n einzelne*n Schüler*in viel leichter wäre, eine gute Note zu bekommen und umgekehrt. Außerdem ergebe eine Untersuchung mit 2000 Schülern aus der sechsten Klasse, dass durchschnittliche und leistungsschwächere Schüler*innen in guten Klassen zwar bessere Leistungsfortschritte erzielen als in schwachen Klassen, dafür aber schlechtere Noten erhalten. In schwächeren Klassen hätten sie dafür bessere Noten bekommen, aber weniger Fortschritte gemacht.

Der Potsdamer Bildungsforscher Kai Maaz hat außerdem mit Kollegen herausgefunden, dass die Benotung auch von den sozialen Verhältnissen abhängt, aus denen das Kind stammt: Schüler*innen aus schwächeren Verhältnissen werden laut ihm schlechter benotet als Schüler*innen aus „Normalverhältnissen“.

Des Weiteren gibt ein Vertreter des nordrhein-westfälischen Philologenverbandes an, dass einige Lehrer*innen bessere Noten gäben, da sie sonst die schlechte Note bei Nachfrage von Eltern oder der Schulleitung rechtfertigen müssten bzw. angeben müssten, was sie getan hätten, damit der*die Schüler*in sich verbessert. Dieser Aufwand würde manche Lehrer*in dazu bringen, besser zu benoten.

Auch gibt es das Problem der sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Wenn ein*e Lehrer*in einem*r Schüler*in mitteilt, er sei schlecht in der Schule, dann denkt er*sie auch von sich selbst, er*sie sei schlecht in der Schule. Dies wirkt sich dann negativ auf die Leistung des*r Schüler*in aus, sodass der Kreis wieder von vorne beginnt.

Das letzte und größte Problem ist, dass Noten nicht unbedingt die Leistungen eines*r Schüler*in widerspiegeln. Kronigs Schweizer Kollege Anton Strittmeier meint, dass man an Noten direkt sehen könne, ob ein Kind in einem Fach bei Lehrer*in X gut, ausreichend oder schlecht ist. Unbekannt bleibe, welche Teile des Faches ein*e Schüler*in beherrscht und welche Bereiche nicht. Außerdem werde nicht angezeigt, unter welchen Umständen die Note gegeben wurde: Ob die Note streng oder großzügig gegeben wurde oder ob der*die Schüler*in mit einer anderen Lehrperson oder in einem anderen Klassenumfeld eine bessere Note erhalten hätte.

Außerdem haben wir unsere Lehrer*innen gefragt, was sie von Noten halten. Zwar haben sich einige nicht zurückgemeldet, dennoch wollen wir auch schreiben, was die befragten Lehrer*innen über Noten denken. Da Lehrer*innen natürlich auch unterschiedliche Meinungen haben, werden wir diese getrennt behandeln.

Eine Lehrerin legt den Fokus auf die einseitige Bewertung durch Noten und wünscht sich eher eine mündliche Rückmeldung oder wenigstens ein Kompetenzraster. Letzteres schränkt sie allerdings in einem ablehnenden Argument wieder ein, da sie meint, auch ein Kompetenzraster würde immer noch recht subjektiv widerspiegeln. Für Notenzeugnisse spricht aus ihrer Sicht, dass Noten eine relativ einheitliche Bewertung ermöglichten und dass es ein anerkanntes Schema in Deutschland sei. Zudem meint sie, dass Noten für Nichtmuttersprachler und Leute aus anderen Kulturen besser verständlich seien und dass man durch Noten lerne, wie man sich selbst einzuschätzen kann. Auch ein anderer Lehrer teilt diese Ansicht.

Ein anderer Lehrer findet Noten an sich nützlich, sagt allerdings, dass man bei Noten nicht genau wisse, wo die Fehler liegen, und möchte deshalb versuchen, zu jeder Note auch eine Leistungsbewertung in Worten zu geben.

Das heißt, dass Noten längst nicht ausgereift sind. Die Alternativen: Auch andere Bewertungen wären subjektiv oder würden von sozialen Verhältnissen oder Klassenumfeld beeinträchtigt. Das heißt, man sollte Noten erst ersetzen, wenn man auch bessere Alternativen hat.

Quellen

Jonathan, Lennox

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