„Mit 70 Likes weiß ich mehr über dich als dein bester Freund“ – Filmrezension zu “The Social Experiment”

„The Social Experiment“ ist ein Film der in St. Pauli ansässigen Filmagentur „Gipfelstürmer Production“, welcher als Thriller und Sci-Fi gekennzeichnet wird. Er hatte seine Weltpremiere am 02. Oktober 2022 auf dem Filmfest Hamburg und kam am 27. Oktober 2022 in die Kinos. Der Name des Regisseurs ist Pascal Schröder, ein junger Filmemacher und Autor, der mit den Gipfelstürmern und dem Verleiher „Tobis“ seinen ersten Kinofilm präsentiert. Der Film handelt von fünf Jugendlichen, die an einem Gewinnspiel teilnehmen wollen, dieses Gewinnspiel stellt sich jedoch als Versuch, zum Untersuchen wie das soziale Miteinander der Freunde manipuliert werden kann, heraus und in welchem selbst der Tod eine mögliche Variante des Endes sein kann.

Der Regisseur und Drehbuchautor Pascal Schröder bei der Filmpremiere @Gipfelstürmer

Alles beginnt, als die fünf Jugendlichen vorhaben, an einem Gewinnspiel teilzunehmen und sich plötzlich in einem Experiment wiederfinden, das ihre Social-Media-Daten nutzt, um ihre Persönlichkeiten und ihr soziales Miteinander zu testen. Dieses Experiment steht zunächst unter der Aufsicht der beiden Designer*innen dieses Experiments, bevor die künstliche Intelligenz namens Kira die Kontrolle übernimmt und in vielen Prüfungen die Freundschaft und Loyalität der Jugendlichen auf die Probe stellt. 

Die Geschichte ist recht einfach gehalten. Doch da die Perspektive immer zwischen den Hauptcharakteren wechselt, bekommen die Zuschauer*innen sehr viel mehr mit als die Figuren selbst. Der Film startet relativ schnell: Schon bevor man überhaupt weiß, was die Hauptstory ist, passieren die ersten bedeutenden Szenen. Genauso geht es auch weiter. Doch danach beginnt die Geschichte, etwas zu einfach zu werden. Scheinbar unlösbare Konflikte werden zum Teil mit Leichtigkeit oder viel Glück gelöst und auch Situationen, die sehr wahrscheinlich lebensgefährlich sind, werden mit dem Eingreifen Dritter gelöst.

Die Charakterzeichnung weist leider auch Mängel auf. Schon sehr nah am Anfang kann man jeder der Hauptfiguren einen bestimmten Charakter zuordnen, kurz darauf werden die Verhaltensweisen sogar im Rahmen des Experimentes analysiert. In diese Rollen werden die Charaktere von den Filmemachern auch konsequent gezwängt, was ihnen eine gewisse Tiefe nimmt.

Der Film spielt mit der Idee der Charakterweiterentwicklung, allerdings ist das Konzept bedauerlicherweise nicht sonderlich gut umgesetzt. Zwar müssen die Charaktere ihre Schwächen besiegen, um zu überleben, doch erleben die Zuschauer*innen keine inneren Kämpfe. Beispielsweise muss der schüchterne Mitläufer Dustin (Elmo Anton Stratz) plötzlich Eigeninitiative ergreifen: Eine Aufgabe, die ihm auf einmal problemlos gelingt. Auch die Motivation einiger Charaktere ist nicht nachvollziehbar, teils scheinen sie zu sein, wie sie handeln und nicht zu handeln, wie sie sind.

Durch die neue und innovative LED-Panel-Technik, welche man bis jetzt nur aus großen amerikanischen Filmen und Serien wie „The Mandalorian“ kannte, bringt dieser Film eine sehr besondere Eigenschaft mit sich. Die Bühnenbilder bestehen ausschließlich aus LED-Wänden und nur das Set, womit interagiert wird, ist nachgebaut. Man merkt jedoch bei genauem Hinsehen einen Farb- und Schärfeunterschied zwischen LED-Wänden und Set. Im Film sind viele Nahaufnahmen der Darsteller*innen zu sehen, was wahrscheinlich auch dazu dient, die LED-Wände und ihre Makel nicht unnötig hervorzuheben und besonders dazu, die Gefühle der Charaktere am besten wie möglich rüberzubringen. Im Film sind einige plötzliche und spannende Schnitte zu sehen und die Musik der Hamburger Sängerin Zoe Wees unterstreicht die Spannung. Beim Ohren-Spitzen fällt einem auf, dass der Ton sehr klar und synchron zum Bild ist. Zum Ende des Filmes spürt man auch den Gebrauch von CGI (CGI ist die Computeranimation in der Filmkunst.). : Das „Gehirn“ der künstlichen Intelligenz „Kira“ wird mit CGI sehr realistisch dargestellt.

Die Musik stammt von ihr – Zoe Wees auf der Filmpremiere @Gipfelstürmer

Alles in allem ist der Film für die junge Filmfirma aus Hamburg ein sehr guter Anfang. Es wurde versucht, so viel wie möglich aus dem geringen Budget, das die Filmproduktion hatte, herauszuholen. Auch die allererste Verwendung der LED-Panel-Technik in Deutschland ist gut gelungen. Die Geschichte hat viel Potenzial, das aber leider an vielen Stellen nicht ausgeschöpft wird. Auch wenn der Film kritische Ansätze hat, regt er nicht wirklich zum Nachdenken an. Wer aber nach kurzweiliger Unterhaltung sucht, ist mit „The Social Experiment“ gut bedient.

Originaltitel: The Social Experiment

Filmproduktion: Gipfelstürmer Production

Verlag: Tobis

Produktionsland: Deutschland

Produktionsjahr: 2020-2022

Kinostart: 27.10.2022

Genre: Thriller, Sci-Fi

FSK: 12 Jahre

Regie: Pascal Schröder

Drehbuch: Pascal Schröder, Raffaela Kraus

Laufzeit: 97 Minuten

Die Hauptdarsteller*innen von „The Social Experiment“ auf der Filmpremiere @Gipfelstürmer

Hauptdarsteller*innen:

Iris = Raffaela Kraus (*1996)

⇨ schrieb das Drehbuch mit ihrem Verlobtem Pascal Schröder

Kai = Claudiu Mark Draghici (*1986)

⇨ wurde bereits mehrmals für Filmpreise nominiert und hat große Filmerfahrung

Luke = Gustav Strunz (*2002)

⇨ war bis jetzt vor allem auf der Theatherbühne Theateraktiv

Dustin = Elmo Anton Stratz (*2001)

⇨ spielte vorher in vielen Nebenrollen von Filmen und Serien mit

Adrian = Marven Gabriel Suarez-Brinkert (*2003)

⇨ war schon vorher in deutschen Serienproduktionen aktiv

Nancy = Emilia Djalili (*2004)

⇨ beim Musical „König der Löwen“ mitgespielt

Neil = Thapelo Mashiane (*2004)

⇨  beim Musical „König der Löwen“ mitgespielt

Kira (Stimme) = Marion von Stengel (*1962)

⇨ synchronisierte in der Vergangenheit als Pamela Anderson und Angelina Jolie

Gefüllter Saal bei der Filmpremiere im Cinemaxx Dammtor @Gipfelstürmer

(Der SPICKER sah den Film am 02.10.2022 bei der Filmpremiere im Cinemaxx Dammtor während des Filmfestes Hamburg.)

Jonathan, Levin und Yunis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.