16 Jahre BundeskanzlerIN: Generation Merkel

Die vergangene Bundestagswahl besiegelte das, was Angela Merkel 2018 auf dem Parteitag der Christlich Demokratischen Union (CDU) bekannt gab: Sie wird nicht mehr für das Amt als Bundeskanzlerin Deutschlands antreten. Nach rund 16 Jahren Amtszeit blicke ich als ein junger Mensch, für den im Leben Merkel bewusst die einzige Kanzlerin war, zurück auf ihre Regierungszeit.

Es war der 22. November 2005, Merkel wurde vom Bundestag zur neuen BundeskanzlerIN gewählt. Ich betone die letzte Silbe bewusst, weil Angela Merkel nach sieben männlichen Regierungschefs die erste in diesem Amt gewesen ist. Freilich erinnere ich mich nicht an diesen Tag, denn ich war gerade einmal zwei Jahre alt und deswegen beginnt mein Rückblick auch erst viel später. Ich schreibe der Authentizität halber aus der Perspektive, aus der ich mich aktiv und in zeitlicher Nähe zum Geschehenen an sie erinnern kann. Um aber ein besseres Verständnis zu erlangen, ist eine Reflexion aus heutiger Sicht in Teilen notwendig.

Jetzt soll’s aber losgehen: Ein Zeitsprung zum Fußball-WM-Finale nach Rio de Janeiro 2014. Deutschlands Nationalmannschaft traf auf Argentinien – viele werden sich an dieses Spiel erinnern: Mario Götze schoss in der 113. Minute DAS Tor. Die Freude war nicht nur bei mir und den vielen Fans groß, sondern eben auch bei Angela Merkel. Ich erinnere, wie sie von ihrem Platz auf der Tribüne aus ihrem Sitz aufsprang und beide Arme in die Luft riss. Die Freude in ihren Augen zeigte sie für mich nahbar und prägte mir diesen Moment positiv in das Gedächtnis ein. Es war schließlich eine Reaktion, wie sie viele verspürten und eben auch eine Erinnerung, die zu dieser Weltmeisterschaft und vor allem auch zu ihr gehört.

Selbstverständlich bestand ihre Kanzlerschaft nicht nur aus der Teilnahme an großen Veranstaltungen, sondern auch aus dem Politikbetrieb. Aus diesem blieben mir drei Worte im Kopf: „Wir schaffen das.“ In Verbindung mit den Bildern von den Flüchtlingsströmen im Balkan, die ich in den Nachrichten sah, maß ich dem damals keine größere Bedeutung bei, als dass die Unterbringung der Menschen schließlich etwas ist, was mich heute bewegt. Ihre Worte verstehe ich nicht in dem Kontext, wie diese von AfD-Sympathisanten als verspottende Kritik ausgelegt werden. Dass wir es nicht schafften, sondern, dass sie Zuversichtlichkeit, Mut und Souveränität ausstrahlen möchte, die notwendig sind, um diese Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren. Schließlich ist das ein Prozess, der mit diesen drei Worten entscheidend beginnt.

Die Jahre zuvor schaute ich die Neujahrsansprachen Merkels meistens nicht, anders im vergangeneJahr. Schließlich war mir und war es Merkel – dementsprechend formulierte sie es in ihrer Ansprache – bewusst, dass es ihre (wohl) letzte sein würde. Damit lag sie richtig, wie wir heute wissen, und diese Rede markiert für mich den fortwährenden Anbeginn ihres Abgangs, in welcher sie wieder einmal nahbar und emotional aussprach, was alle dachten: Dass 2020 ein schweres Jahr gewesen war und trotzdem die Zuversicht auf ein besseres neues Jahr für sie und für uns alle bestünde. Ob sich diese Zuversicht erfüllte, muss jede*r für sich beurteilen, ebenso wie viel man einer Neujahrsansprache beimisst; für mich persönlich ist eine Portion Optimismus etwas Schönes für die bevorstehende Zeit.

Letzten Endes ist dies nur meine Wahrnehmung vom Menschen Angela Merkel und welche Momente dieser 16JahreRegierung mir besonders im Kopf bleiben werden und stellt nicht den Anspruch nach einer politischen Beurteilung. Denn als Mensch war BundeskanzlerIN Merkel, so weit und so wie wir sie kannten, eine prägende Figur – insbesondere für unsere Generation, die noch keinen anderen Bundeskanzler bewusst kennt. Für mich persönlich war Merkel eine Kanzlerin aus Leidenschaft mit Lust an der Führung des Landes und ich bin gespannt, wie ihr Nachfolger Olaf Scholz mit seiner Koalition auftreten, prägen und regieren wird.

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