Abitur, volle Kraft voraus! – Was nun?

Es ist komisch, die schriftlichen Prüfungen sind geschafft und trotzdem kann ich mich nicht so richtig freuen. Nur noch eine mündliche Prüfung bin ich von meinem Abiturzeugnis entfernt, das kann es doch irgendwie nicht gewesen sein?

Ich war das letzte Mal vor gut zweieinhalb Monaten für den Unterricht in der Schule, nach den Märzferien erhielt ich zwar zunächst noch Arbeitsaufträge von Lehrer*innen, aber auch da lag der Fokus schon auf den Abiturvorbereitungen. Danach war alles auf die schriftlichen Prüfungen ausgerichtet, die Lehrer*innen haben uns durch Videokonferenzen und persönliche Treffen unterstützt und dann –  PAFF, die Klausuren waren durch.

Zunächst einmal entspannen zu können und Zeit für andere Dinge zu haben, war ganz nett, aber mittlerweile habe ich genug. Ich muss das Gefühl haben, produktiv zu sein, etwas zu schaffen und obwohl ich mich bereits auf die mündliche Prüfung vorbereite – Lernzettel erstelle, Aufgaben rechne – fehlt mir etwas Dauerhaftes. Etwas Beständiges, Sicheres.

Leider sehe ich das im Augenblick auch nicht in der Zukunft. Seit ungefähr fünf Jahren träume ich von einem Auslandsjahr nach der Schule und das wollte ich jetzt umsetzen. Ab August sollte es für ein Jahr im Rahmen eines Freiwilligendienstes nach Kolumbien gehen. Doch das war vor Corona, vor der Pandemie, die so einige Einschränkungen mit sich brachte… Vor November ist nun eine Ausreise in keinem Fall möglich, aber auch danach bleibt es ungewiss. Für mich ist diese Unsicherheit sehr schwierig, da ich konkrete Vorstellungen habe und diese umsetzen  möchte. Außerdem ist es organisatorisch nicht leicht, weil nicht nur meine Pläne davon abhängen, sondern beispielsweise ebenso meine Pfadfinderinnengruppe und deren Leitung. Hinzu kommt, dass ich in 2021 gerne anfangen möchte zu studieren und das vermutlich zeitlich mit dem Freiwlligendienst kollidieren würde.

Gleichzeitig finde ich es schwierig, sich mit dem Gedanken anzufreunden, nie wieder in der Schule Unterricht zu haben, ohne einen Abschied gehabt zu haben. Es ist alles so unwirklich und ich habe das Gefühl, Corona überschattet alles andere. Wenn ich nicht gerade mal wieder gefragt werde, wie die Prüfungen liefen und ob ich denn schon durch sei, vergesse ich beinahe, dass ich gerade Abitur mache und danach nicht mehr zur Schule gehen werde. Diese drei Klausuren, auf deren Ergebnisse ich über einen Monat lang warten muss, machen zusammen mit der mündlichen Prüfung ein Drittel meiner Abiturnote aus. Müsste sich das nicht bedeutender anfühlen und nicht einfach wie eine etwas längere Klausur? Beginnt nicht nach dem Abitur ein wichtiger neuer Lebensabschnitt?

Mein 18. Geburtstag ist zwar erst im September, aber ich kann mir vorstellen, dass auch dieser große Marker meines Lebens sich nicht so groß anfühlen wird, wie ich bisher dachte. Meine Freund*innen waren nach ihren Geburtstagen schließlich keine neuen Menschen und noch weniger auf einmal erwachsen. Von außen betrachtet sind das Abitur und der achtzehnte Geburtstag große Schritte, aber letztendlich ist man in der Situation immer noch der gleiche Mensch, nur zeitweise vielleicht ein bisschen aufgeregt. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet habe, aber die Abiturient*innen kamen mir immer so groß vor und ich fühle mich nicht so, wie ich sie mal wahrgenommen habe.

Allerdings war ich damals auch noch ein bisschen kleiner als jetzt… © Mascha

Naja, so ist das nun und es heißt einmal abwarten und nicht planen, was mir vermutlich gut tun wird. Ich freue ich mich darüber, jetzt in den Ferien mit meiner Familie an die Nordsee fahren zu können, auch wenn ursprünglich etwas anderes geplant war. Trotzdem werde ich Mathesachen mitnehmen und auch handwerkliche Arbeiten, einfach, falls ich Lust darauf kriege. Und bevor jetzt irgendjemand denkt, wieso ich mich denn knapp einen Monat vor der mündlichen Matheprüfung schon vorbereite: Ich denke einfach, dass jeden Tag ein bisschen sinnvoller ist, als am Ende fünf Tage lang nur Mathe zu machen. So entsteht kein riesiger Berg an Themen, sondern ich taste mich langsam vor.

Ich wünsche allen, die welche haben, schöne Maiferien und den anderen, dass sie das hoffentlich gute Wetter trotzdem genießen können!

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