Am Dienstag, dem 27.01.2026, fanden am MRG die BERTAS statt. Ich habe – wie alle Oberstufenschüler*innen – an ihnen teilgenommen.
Grundsätzlich halte ich das Konzept von Berufsorientierung an der Schule für großartig. Die wenigsten Schüler*innen wissen sofort, was sie nach dem Abitur machen wollen und steuern relativ planlos auf ihren Abschluss zu. Über Gap Year, Studium oder Ausbildung wissen die wenigsten genau Bescheid und müssen sich selbstständig informieren, wobei sie vielleicht tolle Optionen gar nicht im Blick haben. Deshalb ist Berufsorientierung im Rahmen der Schule auch für die Chancengleichheit wichtig. So können Eltern, die selbst in Deutschland studiert haben, ihren Kindern natürlich sehr viel mehr Fragen zum Studium beantworten als es Eltern könnten, die nicht mit dem deutschen System vertraut sind.
Das größte Problem der BERTAS sehe ich ehrlicherweise beim Angebot. Die wählbaren Veranstaltungen begrenzten sich auf ein paar Berufe, einige Privatunis und ein paar Anbieter für Freiwilligendienste. Viele meiner Mitschüler*innen waren nicht wirklich an den angebotenen Veranstaltungen interessiert. Die Studiengänge an den privaten Universitäten waren für einige thematisch interessant, für den größten Teil wurde ein Studium an einer solchen Universität aber wegen der unheimlich hohen Studiengebühren auch wieder verworfen. Dies wirft ein weiteres Problem auf. Viele der Veranstaltungen waren von Institutionen, die eindeutig ein starkes wirtschaftliches Interesse haben. Darunter fallen genannte Privatunis, aber auch beispielsweise Anbieter für Freiwilligendienste im Ausland, die teilweise sehr hohe Summen forderten. Das solche Institutionen ohne Einordnung in einem verpflichtenden schulischen Kontext auftreten, sehe ich sehr kritisch, vor allem wenn nicht die breite Bandbreite an Alternativen abgedeckt wird.
Mir ist klar, dass die BERTAS in einem kleinen schulischen Rahmen stattfinden und dadurch keine gewaltige Masse an Angeboten aufbringen können. Dennoch sollte sich wohl überlegt werden, welche Veranstaltungen es geben sollte. Mir ist aufgefallen, dass einige Schüler*innen trotz diverser Berufsorientierungsveranstaltungen gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Daher wäre es meiner Meinung nach gut, etwas allgemeinere Informationsveranstaltungen anzubieten. Statt beispielsweise einer Veranstaltung von einem spezifischen Auslandsfreiwilligendienstanbieter wäre es für die meisten der anwesenden Schüler*innen vermutlich besser gewesen, allgemein über Möglichkeiten, nach der Schule ins Ausland zu gehen, informiert zu werden. Was kann ich nach der Schule alles machen? Wie funktioniert eine Unibewerbung eigentlich genau? Wie beantrage ich BAföG? Wie funktioniert ein duales Studium? Wie finde ich eine Ausbildung? Solche allgemeinen Informationen bleiben für viele lange ungeklärt. Ich denke, die BERTAS sind ideal um solche allgemeineren Fragen zu beantworten und eher weite Perspektiven zu öffnen, die dann durch andere Möglichkeiten, beispielsweise den Besuch von Berufsmessen etc., vertieft werden können.
Die Idee der BERTAS gefällt mir insgesamt also sehr gut. Meiner Auffassung nach sollte anerkannt werden, dass die BERTAS nicht besonders viele Möglichkeiten der späteren Berufslaufbahn abdecken können, weshalb das Ziel eher sein sollte, allgemeine Fragen zu beantworten und Möglichkeiten aufzuzeigen, statt über ein paar spezifische Institutionen aufzuklären.

