Am 15. Dezember 2025 führten zwei Oberstufenkurse gegen 18 Uhr selbstinszinierte Theaterstücke in der Aula des MRG auf. Auch der SPICKER war an diesem Tag im Publikum und ich war völlig überwältigt.
Die erste Aufführung behandelte ein extrem sensibles, aber auch wichtiges Thema: Gewalt gegen Frauen. Der Theaterkurs, geleitet von Frau Schlösser, begann die Inszenierung mit dem dritten Artikel des Grundgesetzes. Besonders stand der zweite Absatz im Vordergrund. Dann stellte der Theaterkurs mehrere Szenarien dar. Welche mir besonders in Erinnerung geblieben sind, sind die folgenden zwei: Eine Mutter, die gerade dabei ist, Essen zu kochen, wird von ihrem Mann aufgefordert, das weinende Kind zu besänftigen. Auf den Vorschlag der Frau, dass der Vater sich auch hin und wieder mal um das Kind kümmern könne, reagiert der Mann mit Gewalt. Das zweite Szenario ist eines, das auf einem realen Fall beruht. Ein Junge wird von seinem Vater beauftragt, seine Schwester zu töten, da sie die Familienehre beschmutzt habe. Das macht der Sohn aber nicht. Er geht zur Polizei und erstattet Anzeige gegen seinen eigenen Vater.

Ganz am Ende dieser Aufführung gab der Kurs dem Publikum einen Denkanstoß und bar alle, sich auch auf der Bühne zu versammeln. Dem Publikum wurden Fragen gestellt. Mit der eigenen Position auf der Bühne antwortete man. Die Frage, die mir im Kopf geblieben ist, lautet: Warum behandeln Männer Frauen so? Sind es die gesellschaftlichen Strukturen verantwortlich oder wollen die Männer Macht über die Frauen haben? Das Publikum konnte sich auch dazu äußern, warum es sich da hinstellte.

Die zweite Inszenierung mit dem Titel „Wir akzeptieren nicht” wurde von Herrn Sterrs Theaterkurs aufgeführt. Die Inspiration hierbei war der Filmklassiker „The Breakfast Club”. Mehrere Schüler*innen sind gezwungen, nachzusitzen. Dabei belästigt der rebellische Charakter Bender ein Mädchen namens Claire. Claire wendet sich an ein Gericht, doch dieses scheint korrupt zu sein und lässt den Täter trotz handfester Beweise laufen. Es folgen mehrere weitere Szenen, in denen Charaktere unfair und schlecht behandelt werden.

Aber nicht nur Teenager sind mit solchen Problemen konfrontiert. Auch eine Lehrkraft, die versucht[,] Bender für sein Verhalten zur Rechenschaft zu ziehen, erfährt teils sogar körperliche Gewalt und wendet sich an einen Therapeuten, welcher ihm letztendlich hilft, über den Groll auf Bender hinwegzukommen. Alle Charaktere sind stark von ihrer Umwelt beeinflusst. Sei es ein gewalttätiges Elternhaus oder der Erwartungsdruck, der auf ihnen lastet, alle sind das Produkt gewisser Einflüsse. Letztendlich finden die Charaktere zusammen und realisieren, dass, obwohl sie scheinbar eine Eigenschaft vollends verkörperten, jede/jeder von jeder/jedem etwas in sich trägt. Jeder ist etwas ein Streber, ein Sportler, eine Außenseiterin, eine Prinzessin und ein Freak.

Beide Inszenierungen waren meines Erachtens nach sehr gelungen. Ich hätte mir für die beiden Kurse und für diese Themen an diesem Abend ein größeres Publikum gewünscht.

